Sturmfluten und Dauerregen 17.-22. Februar 2022

Was sind die Ursachen?

Stürme drücken tagelang Wasser aus der Nordsee in die Elbe. Der Elbpegel überschreitet mehrere Tage um etwa 2,00m das mittlere Tidehochwasser und die Ebbe erreicht nicht den Wert des mittleren Tideniedrigwassers. Das Zeitfenster zur Entwässerung der Dove Elbe über das Deichsiel Tatenberg reduziert sich auf 3 Stunden und weniger. Das reicht nicht, um den Regelwasserstand von +1,00m über NHN (Normal Höhen Null, ungefähr mittlerer Meerespiegel, früher NN) zu halten. Der Rückstau gefährdet die Vorlandflächen sowie die Abflüsse aus Schleusengraben und obere Dove Elbe.


Dove Elbe Überschwemmungsgebiet: Allermöher Deich Blickrichtung Reitbrooker Westerdeich

Gleichzeitig verursachen tägliche Niederschläge im Einzugsgebiet von Alster, Bille, Pinnau, Wedeler Au u.a. Binnenhochwasser und Überschwemmungen an den Oberläufen dieser Gewässer. In Bergedorf fließt das Wasser der Geestgewässer überwiegend über den Schleusengraben/Neuen Schleusengraben im Freigefälle der Dove Elbe zu – wenn der Wasserstand der Dove Elbe dies zuläßt!

Die Folgen für Bergedorf

Seit dem 17. Februar haben in allen Teilen der Vier- und Marschlande, wie auch im übrigen Bereich der Elbniederung, und auf der Geest an Bille und den Zuflüssen der Brookwetterung die Niederschläge (in Bergedorf am 16./17.02.2022: 30mm, an den Folgetagen bis 21.02.2022 täglich 10-15mm) großflächig Äcker, Weiden und Siedlungsgebiete überschwemmt. Feuerwehr, THW und andere Katastrophenhelfer kämpfen Tag und Nacht, um Wasser aus Gebäuden, aus Gräben und aus Schleusengraben sowie Dove und Gose Elbe zu pumpen. Anlieger dort haben derartige Zustände noch nicht erlebt. Die Medien haben darüber berichtet. Sehen Sie bitte hierzu unsere Seite mit den Presseartikeln.

Pegelhöchststände in Normalhöhennull (NHN)

  • Bille am Möörkenweg: +4,78m NHN = 1,40m über mittleren Wasserstand (ü.MW)
  • Schleusengraben/Neuer Schleusengraben: +2,20m = 0,80m ü.MW
  • Brookwetterung am Horster Damm: +2,92m = etwa 0,50m ü.MW
Dove Elbe während des Hochwassers von der Reitbrooker Mühlenbrücke gesehen Pegel im Hafen Bergedorf, dem Serrahn

Die Situation in Nettelnburg

Die Nettelnburg entwässert ebenfalls im Freigefälle über das Fleetsystem zum Schöpfwerk Allermöhe. Das Schöpfwerk hebt das Wasser mit Pumpen in die Dove Elbe, unabhängig vom Wasserstand der Dove Elbe. Für einen funktionierenden Abfluss ist entscheidend, dass der Höhenunterschied zwischen den Gräben und den Fleeten von etwa 40 cm nicht wesentlich kleiner wird.
Die Gräben in der Nettelnburg waren bordvoll, aber – das haben die täglichen Kontrollen des Wasserverbandes ergeben – sie sind in kurzer Zeit wieder weitgehend in einem der Jahrenzeit entsprechenden normalen Zustand. Das ist auch das Ergebnis der Umsetzung empfohlener Maßnahmen aus der Untersuchung, die der Verband in Auftrag gegebenen hat:

  • Rückbau von Durchlasseinengungen
  • Herstellung eines neuen Überlaufes in das Fleetsystem
  • Herstellung eines neuen Entlastungsbauwerkes für die innere Siedlung

Doch das ist erst der Anfang, weitere Maßnahmen müssen folgen, wir arbeiten daran – mehr hier.

Binnenhochwasser in Curslack und Altengamme

Das Wasserwerk Curslack regelt mit Staueinrichtungen in seinen Fassungsgräben einen verträglichen Wasserstand zwischen Geesthang und Dove Elbe. In Teilen entnehmen Flachbrunnen das offen austretende Grundwasser. Überschüssiges Oberflächenwasser wird über Sielgräben zur Dove Elbe abgeleitet, eine Bewässerung wird über die Brookwetterung gesichert.

Die Niederschläge und der erhöhte Dove-Elbe-Pegel hat dieses System jedoch überfordert.

Gammer Weg in Altengamme mit Blick nach Westen Curslack mit Blick auf den Achterschlag. Wasser und Land werden eins.
Die Brookwetterung neben der Autobahn westlich des Speckenwegs wird zum breiten “Strom” Brookwetterung am Horster Damm mit Blickrichtung Mehlbek: Wasser bis zum Horizont

 

Obere Bille

Das Wasser im Schleusengraben speist sich neben der Brookwetterung und einer Vielzahl von Regensielen im Wesentlichen aus dem Abfluß der (oberen) Bille, einem Einzugsgebiet von 347 km² und einem mittleren Abfluß (MQ) von 3,99 m³/s. Das Serrahnwehr und der Mühlenumlauf am Kupferhof werden automatisch gesteuert und halten einen Wasserstand von +3,15m NHN.

Der rechnerische Hochwasserabfluß (HQ200) am Serrahnwehr ist deutlich höher, er beträgt 42,5 m³/s. Dabei kann der Wasserstand auf über +3,40m NHN steigen. Zur Speicherung dieser Hochwassermengen ist der auf Hamburger Gebiet gelegene Gewässerabschnitt auf einer Länge von 3,57 km als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen (Verordnung von 1982).

Pegel Obere Bille, Meßstation Fischerhof, oberhalb Serrahn-Wehr (Foto: BUKEA, HU) Pegel an der Ernst-Mantius-Straße der Obere Bille

Serrahn und Schleusengraben

Vom Serrahn (alte technische Bezeichnung für Tosbecken einer Staustufe, eines Wehres), dem Bergedorfer Hafen, fließt das Wasser der Bille zusammen mit dem Abfluß aus der Brookwetterung über den 2,6 km langen, fast 600 Jahre alten Schleusengraben und den in den 1920er Jahren angelegten Neuen Schleusengraben zur Dove Elbe. Das Wasser wird über den Wehrumlauf östlich der Krapphofschleuse und die alte Bergedorfer Schleuse, die Kurfürstendeich-Schossen, abgeleitet.

Beidseits sichern Dämme (Hochwasserschutzanlagen) die niedriger gelegenen Flächen der Siedlung Nettelnburg (Dammhöhe +3,50 – 3,60m NHN) und des Lehfeldes (Dammhöhe +2,50 – 2,60m NHN) vor Überflutung bei Hochwasser.

Informationen über Schleusengraben und Kampbille hier

Der Serrahn mit dem Zufluss aus der Obere Bille
(Foto: Bergedorf TV)
Der Schleusengraben voll gefüllt
(Foto: Bergedorf TV)

Der sehr hohe Wasserstand am Wochenende 19. und 20. Februar, mit +2,20m bereits 80cm über dem mittleren Wasserstand von 1,40m, und die hohen Pegelstände in Reinbek und am Möörkenweg bedrohten den durch Dauerregen gesättigten Deichkörper. Um jegliche Gefahr für die Nettelnburg und das Lehfeld auch durch Qualmwasser auszuschließen, hat das Bezirksamt zu unserem Schutz besonders leistungsfähige Pumpen an der Krapphofschleuse einsetzen lassen, um den Schleusengraben und damit den Druck auf die Dämme zu entlasten.


(Karte aus Open Streetmap)

Feuerwehraktion gegen die Überflutung

Legen der Pumpenleitungen an der Krapphofschleuse
(Foto: Bergedorf TV)
Legen der Pumpenleitungen am Stemmtor (ehemalige Dove Elbe Schleuse)
(Foto: Bergedorf TV)

Krapphofschleuse

Vier große Tauchpumpen heben das Wasser aus der zum Neuen Schleusengraben nach Bergedorf geöffneten Schleusenkammer und pumpen es über das geschlossene Tor des Unterhauptes in die Dove Elbe: 2000 l/s !

 

Sperrtor der ehemaligen Dove-Elbe-Schleuse

Hier saugen ebenfalls zwei große Tauchpumpen das Wasser der oberen Dove Elbe aus der ehemaligen Schleusenkammer und fördern es über das geschlossene Stemmtor (Hochwasserschutzanlage) hinweg in den Unterlauf der Dove Elbe
Das Unterhaupt (Stemmtor) der ehemaligen Dove-Elbe-Schleuse ist geschlossen. Für den enormen Strombedarf der Pumpen wurden eigene Stromgeneratoren aufgestellt.

(Sonstige Fotos: Wasserverband Nettelnburg)