Begifflichkeiten bei künstlichen Gewässern

Begifflichkeiten bei künstlichen Gewässern2018-12-23T15:42:56+02:00

Begifflichkeiten bei künstlichen Gewässern

Fleißgewässer allgemein

Fließgewässer ist in der Hydrologie ein Sammelbegriff für alle oberirdisch fließenden Gewässer und bezeichnet einen Wasserlauf des Binnenlandes mit ständig oder zeitweilig fließendem Wasser. Fließgewässer sind offene Gewässer. In der Regel transportieren Fließgewässer das Wasser aus ihrem Einzugsgebiet gemäß der Schwerkraft bis zu ihrer Mündung in ein übergeordnetes Fließgewässer, einen See oder ein Meer. Im Gegensatz zu Fließgewässern enthalten Stillgewässer stehendes Wasser oder Wasser, das nur sehr langsam abfließt. Ein Wassergraben kann entweder ein Fließgewässer oder ein Stillgewässer sein.

Entwässerungsgraben

Ein Entwässerungsgraben dient bei der Trennwasserkanalisation zum Abfluss des bei Niederschlag anfallenden Regenwassers. Diese Gräben sind mit einem ausgetrockneten Bach vergleichbar, welche nur bei Niederschlag gefüllt sind und Wasser führen. In der heutigen Zeit fließt ausschließlich Regenwasser durch diese Gräben, in der Vergangenheit wurde auch Schmutzwasser in dieser Form z. B. zum Vorfluter abgeleitet.

Wassergraben

Ein Wassergraben ist ein künstlich angelegtes oder ausgebautes, zumeist geringfügig fließendes Gewässer. Wassergräben dienen der Wasserversorgung oder der Be- oder Entwässerung des Bodens. Entwässerungsgräben von landwirtschaftlichen Nutzflächen werden auch als Brandgraben bezeichnet. Allgemeine Bezeichnungen sind in diesem Zusammenhang Fluter und Vorfluter. Wassergräben – als Fließ- oder Stillgewässer Bestandteil von Befestigungsanlagen – dienten auch als künstliches Hindernis zur Verteidigung von Burgen (Burggraben), Stadtmauern (Stadtgraben) und Festungen (Festungsgraben). Die Bewässerung großer Flächen im Münsterland oder den Niederlanden diente ebenfalls dem Zweck der Verteidigung; dort wurden Weideflächen unter Wasser gesetzt und wurden so zu schwer überwindenden Wasserflächen für Angreifer.

Nettelnburger Wasserverbandsgraben

Ein Hauptgraben im Verbandsgebiet des Wasserverbandes Nettelnburg. Diese Gräben sind numeriert von 1 bis 17, wobei ein paar Nummern zwischendurch fehlen. Die Grenzgräben sind auch Verbandsanlagen. Diese Gräben entwässern Nettelnburg von Ost nach West und von West nach Ost. Sie übergeben das gesamte Wasser dem Vorfluter, einem Fleet in Neu-Allermöhe in der Nähe des ABC Centers.

Nettelnburger Grenzgraben

Graben als Trennung von Grundstücken an der Längseite. Diese Gräben haben den Hauptgräben das Wasser zugeführt. Leider sind viele dieser Grenzgräben nicht mehr existent, teilweise wurden sie auch verrohrt. Die Grenzgräben sind auch Verbandsanlagen.

Nettelnburger Beetgraben

Ein Graben innerhalb eines Grundstückes. Ein solcher Graben führt das Wasser den Grenz- oder Hauptgräben zu. Die Beetgräben sind für den Wasserverband Nettelnburg nicht interessant.

Kanal

Als Kanal bezeichnet man eine Wasserstraße mit künstlich hergestelltem Gewässerbett. Es kann auch ein Wasserlauf mit natürlichem Gewässerbett kanalartig so ausgebaut werden, dass er dann zu den Kanälen zählt; dies war in früheren Zeiten bei den kleineren Schiffsabmessungen häufiger der Fall. Bei einem gänzlich gedeckten Kanal als unterirdisches Bauwerk beziehungsweise Fließgewässer spricht man von Verrohrung. Es wird hauptsächlich unterschieden zwischen Kanälen zur Be- und Entwässerung und Kanälen für die Schifffahrt, den Schifffahrtskanälen. Es gibt jedoch auch Kanäle, die anderen Zwecken dienen oder dienten, wie beispielsweise der Trinkwasserversorgung, der Nutzung der Wasserkraft, der Beseitigung von Abwasser oder der Umleitung von Wasser von einem Gewässer in ein anderes. Kanäle, die in erster Linie Wasser transportieren, sind Fließwasserkanäle. Dazu können auch Schifffahrtskanäle gehören. In der Regel sind Schifffahrtskanäle jedoch Stillwasserkanäle. Infolge von Schleusungen und aufgrund von Wasserentnahmen (z. B. für die öffentliche und industrielle Wasserversorgung an den westdeutschen Schifffahrtskanälen) können sie noch eine geringe Strömung aufweisen. Ihre Wasserstände werden durch Schleusen und Pumpwerke reguliert. Es gibt auch Kanäle ohne jede Regulierung.

Gräfte

Gräfte ist die westfälische Bezeichnung für einen Wassergraben, der ursprünglich einen Adelssitz zu Verteidigungszwecken umgab. In späteren Zeiten konnten Gräften Bestandteil der Gartengestaltung im Umfeld von Wasserschlössern sein. Bei einigen Adelssitzen war die Gräfte auch gleichzeitig der Mühlenteich für die herrschaftliche Kornmühle als Bannmühle. Auch bäuerliche Höfe waren in der Nordhälfte Westfalens oftmals von Gräften umgeben. Die höchste Dichte solcher Gräftenhöfe befand sich um 1820 zwischen Ruhr und Lippe und im mittleren Münsterland.

Fleete

Die Hamburger Fleete sind zum Teil aus den Mündungsarmen von Alster und Bille in die Elbe hervorgegangen, die dann zur Entwässerung und als Stadtgräben zur Verteidigung genutzt wurden; zum anderen Teil wurden sie als weitere Überlaufgräben der später aufgestauten Alster angelegt. Schließlich dienten die Fleete zunehmend dem Warenverkehr. Im Gegensatz zu einem künstlich angelegten Kanal wurde der Wasserstand in den Fleeten Hamburgs anfangs nicht durch Schleusen geregelt, sondern schwankte mit der Tide, wodurch es zu Schlickablagerungen kam, mit deren Beseitigung der Berufsstand der Fleetenkieker (plattdt. Kieker „Gucker“) beauftragt wurde. Hier wurden die Häuser der reichen Kaufleute – meist Wohn-, Kontor- und Lagerhaus zugleich – mit der Rückfront zum Fleet und der Vorderfront zur Straße gebaut, oft beidseitig mit entsprechenden Hebevorrichtungen für Lasten. Die Ladungen der Seeschiffe wurden zunächst auf kleinere Schuten umgeschlagen und zur Zwischenlagerung bzw. weiteren Verarbeitung über die Fleete an den Bestimmungsort verbracht. Zum weiteren Versand gelangte die Ware später wieder auf dem Wasserwege oder mühsam über Land. Die Wasserstraßen der Fleete bildeten somit für den Warentransport ein bedeutendes Verkehrsnetz.

Wetterung

Der Begriff Wetterung, auch verkürzt Wettern, Wetter, Weddern oder Wedder, kommt aus dem Niederdeutschen und bezeichnet einen künstlich angelegten, geraden Vorfluter, der dazu dient, das Agrarland oder Marschland zu entwässern. Manchmal wurden auch bereits bestehende Fließgewässer zu Wetterungen ausgebaut, die dann keinen geraden Verlauf ausweisen, so etwa die Brookwetterung in der Vierländer Elbmarsch, die Harschenflether Wettern bei Stade oder die Kampritt Wettern in der Wilstermarsch. Eine Wetterung kann mehrere Kilometer lang sein und eine Breite von über 20 Metern besitzen. Die ersten Wetterungen wurden im norddeutschen Raum um 1100 im Rahmen der Hollerkolonisation von holländischen Einwanderern in der Wesermarsch und dann in den Elbmarschen (Seestermüher, Hadelner, Haseldorfer und Wilstermarsch) angelegt. Beispielsweise sickert Oberflächen- bzw. Regenwasser über Drainagen in einen solchen Vorfluter, der es in den nächstgrößeren Fluss leitet. Oft befindet sich am Übergang zum Fluss ein Schöpfwerk, das dazu dient, den Höhenunterschied bei Flut auszugleichen. Eine Wetter kann aber auch Rückstauwasser nach starken Regenfällen aufnehmen.

Texte teilweise aus Wikipedia